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Planen & Berechnen des Tauchprofils

Wir haben einen Buddy und ein Gewässer, für das wir eine Risikoanalyse durchgeführt haben. Jetzt ist es an der Zeit das eigentliche Tauchprofil zu planen.

Nehmen wir an, wir wollen ein Wrack in 30m Tiefe antauchen und uns ansehen. Um das Tauchprofil berechnen zu können, müssen wir wissen, was unser Luftvorrat ist und wie lange wir damit auf dieser Tiefe bleiben können. Wenn wir dies herausgefunden haben, können wir mit Hilfe eine Dekotabelle den Tauchablauf berechnen.

Berechnung des Luftvorrats

"Wie lange kann man mit einer Sauerstoffflasche tauchen?" ist eine häufige Frage von Spaziergängern, die den Tauchern beim Einstieg zusehen. "Das hängt von verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel der Größe der Pressluftflasche in die die komprimierte Luft gefüllt wird," ist eine mögliche Antwort.

Und wieviel Luft geht rein? Das ist ein einfaches Zusammenspiel von Flaschengröße und Druck:

Luftvorrat

Luftvorrat = Flascheninhalt - Reserve

Für unser Beispiel nehmen wir an, dass wir 12l-Flaschen habe, die auf 200bar gefüllt werden.
Berechnen wir zuerst den Flascheninhalt: 12 l mal 200 bar = 2400 barl (Bar-Liter).
Die Reserve (50bar) entspricht: 12 l mal 50 bar = 600 barl
Damit ergibt sich: Luftvorrat = 2400 barl - 600 barl = 1800 barl

Berechnung des Luftverbrauchs und der maximalen Tauchzeit

Jetzt wissen wir, wieviel barl wir auf dem Rücken umherschleppen, aber für die viele Taucher wäre dieses Wissen noch nicht weiter hilfreich, denn sie wissen oft nicht, wie die genauen Abhängigkeiten zwischen Luftvorrat, Luftverbrauch und maximaler Tauchzeit sind. Am Anfang verlässt man sich gerne auf Lehrer, später auf Guides, dann hat man es so in etwa im Gefühl, aber eine echte Gasplanung durchzuführen können sie nicht. Dabei ist es ganz einfach:

Das Atemninutenvolumen (AMV)

Das Atemminutenvolumen besagt, wieviel Liter Luft in einer Minute veratmet werden. Das AMV ist natürlich eine höchst individuelle Sache, die nicht nur von Person zu Person unterschiedlich ist, sondern auch von vielen externen Faktoren, wie Ausdauer oder Temperatur abhängt.

Ein gut trainierter Taucher bei einem gemütlichen Tauchgang in gewohnter Umgebung kann ein Atemvolumen von 6-10 l/Minute haben, andererseits kann es bei starker Anstrengung schnell auf bis zu 150 l/Minute ansteigen. Für grundsätzliche Berechnungen hat sich in der Tauchliteratur der Wert von 25l/Minute als durchschnittliches AMV eingebürgert. Wem der Wert zu hoch vorkommt, der sollte über viele Tauchgänge hinweg anschließend sein AMV errechnen und dann den Mittelwert nehmen. Da man aber nie weiß, ob nicht doch unvorhersehbarerweise eine Situation unter Wasser ein stärkeres AMV bedingt, sollte man auf diesen Mittelwert noch einmal 50% aufschlagen.

Maximale Tauchzeit

Unsere maximale Tauchzeit wird begrenzt durch den Luftvorrat und unser AMV und der Tiefe auf der wir uns befinden. Denn obwohl wir immer das gleiche Volumen (z.B. 25l) pro Minute wegschnaufen, variiert die Luftmenge durch den Druck. An der Oberfläche bei 1 bar Umgebungsdruck entspricht das AMV auch der Luftmenge (AMV * 1 bar). Aber schon in 10m Tiefe verdoppelt sich der Luftverbrauch (AMV * 2 bar).

Ausgehend von unseren Annahmen, dass wir eine 12l Flasche und damit einen Luftvorrat von 1800 barl und ein AMV von 25l/min haben und ein Wrack auf 30m betauchen wollen können wir unsere maximale Tauchzeit errechnen:

Tauchzeit = Luftvorrat / (AMV * Umgebungsdruck)
Tauchzeit = 1800barl / (25l/min * 4 bar)
Tauchzeit = 18min

Wir haben also genug Luft für einen Tauchgang zum Wrack mit einer Gesamttauchzeit von 18 Minuten.

Berechnung des Tauchablaufs anhand einer Dekotabelle

Mit diesen Daten können wir jetzt an die Feinplanung des Tauchgangs gehen. Unser Tauchgang fällt in die Teile Grundzeit (Abstiegszeit & Zeit auf der maximalen Tiefe) Aufstiegszeit und Dekozeit. Wir haben für insgesamt 18 Minuten Luft. Wenn wir mal davon ausgehen, dass wir mit dieser Gesamttauchzeit nicht dekopflichtig werden, können wir als Dekozeit den Sicherheitsstopp von 3 Minuten auf 3 Meter angeben. Wir wissen außerdem, dass wir die Aufstiegsgeschwindigkeit von 10m/min nicht überschreiten sollen, also legen wir für den Aufstieg 3 Minuten + 1 Minute weil wir unter der maximalen Aufstiegsgeschwindigkeit bleiben wollen. Der Abstieg geht schneller, diesen legen wir mit 2 Minuten fest. Damit bleiben für den Aufenthalt am Wrack 9 Minuten und es ergibt sich folgender Tauchplan.

  • Abstieg: 2 Minuten
  • Zeit am Wrack: 9 Minuten
  • Aufstiegszeit : 4 Minuten
  • Sicherheitsstopp: 3 Minuten

Die eigentliche Grundzeit beträgt 11 Minuten und damit bestätigt sich nach Blick auf die Dekotabelle, dass keine zusätzlichen Dekostopps eingeplant werden müssen und der Tauchgang so statt finden kann:

Tauchprofil am Wrack

Frei Schnauze nach Computer tauchen?

Ist denn heutzutage so eine ausführliche Tauchprofilplanung notwendig? Schließlich gibt es doch Tauchcomputer und wenn sie luftintegriert sind, Sagen sie mir sogar, wie lange ich mit meinem Luftvorrat noch auf der jeweiligen Tiefe bleiben kann. Und Deko- und Luftverbrauchsberechnung sind auch viel genauer, das sie alle paar Sekunden neu berechnet werden!

Ja, sie ist notwendig! Natürlich nicht für jeden Minitauchgang, aber für anspruchsvollere Tauchgänge (tiefer, länger, etc.) sollte sie durchgeführt werden, denn der Tauchcomputer ...

  • ... wiegt den Benutzer in falscher Sicherheit
    Verlassen auf den Tauchcomputer kann gefährlich sein - denn die Sättigungsberechnung basiert auf angenommenen Geweben, die sich vom Sättigungsverhalten der realen Gewebe teilweise gravierend abweichen können. Durch das Rechteckprofil einer TG-Berechnung mittels Tabelle wird ein Sicherheitspuffer erreicht, den ein Computer so nicht bieten kann.
  • ... verleitet zur maximalen Ausreizung der Nullzeit
    Mit einem Tauchcomputer bleiben viele Taucher auf einer Tiefe bis die Nullzeit praktisch abgelaufen ist, um dann etwas aufzusteigen - man "schrubbt" also an der Nullzeit entlang. Da die Berechnung aber auf theoretischen Überlegungen basiert, die genau für diesen Fall nicht wirklich zutreffen, ist bei solchen Tauchgängen die Gefahr eines Dekompressionsunfalls entsprechend hoch.
  • ... verleitet dazu, die Dekompressionstheorie zu vernachlässigen
    Bei der Arbeit mit einer Tabelle sieht man auch auf einen Blick, was für Auswirkungen durch eine etwas größere Tiefe oder längere Tauchzeit auf der Tiefe entstehen. Wenn man nur mit Tauchcomputer taucht, nimmt man die Zusammenhänge im Detail so nicht wahr.

Mehr zu diesem Thema findet Ihr auch in meinem Bericht Tauchcomputer-Kauftipps.




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