In blinder Panik![]() Nur raus hier - die Oberfläche als scheinbare Rettung. Es ist, als ob sich ein Seil um Danielas Hals gelegt hat, das nun langsam zugezogen wird, gleichzeitig wird ihr Brustkorb wie von einer Schraubzwinge eingespannt. Um sie herum ist es stockfinster, sie sieht weder die Tür noch den Lichtschein ihrer Buddys. Durch den Druck auf der Brust scheint ihr Herz wie rasend im Hals zu schlagen. Daniela spürt, wie ihre Augen zittern und flattern, obgleich sie nichts sieht. "Ich werde sterben, ich werde gleich ertrinken, warum hilft mir denn keiner - ich brauche Licht!" Mit großer Mühe kann sie sich an diesem letzten Gedanken festhalten und bemüht sich, die Todesangst zu bekämpfen. Hektisch greift sie nach unten, um die Lampenleine zu erhaschen. Auf einmal sieht sie aus dem Augenwinkel Licht, aus der Tür kommen Lichtstrahlen. Noch immer versucht sie fieberhaft ihre Lampe zu ergreifen, aber die alles bestimmende Todesangst schwindet etwas, als sie sieht, wie Michaela im Schein von Torstens Lampe aus der Tür heraus und auf sie zu taucht. Angst, Panikattacke oder echte Panik?Ob man von unbändiger Angst spricht oder auch von einer Panikattacke, beides bietet noch eine letzte Möglichkeit der Umkehr, eine Möglichkeit, bewusst mit der Situation umzugehen und sie zum Besseren zu lenken. Bei einer echten Panik, im Tauchen praktisch immer ausgelöst durch Luftmangel - real oder eingebildet - wird das Handeln nur noch unbewusst gesteuert, es gibt nur noch zwei Handlungsalternativen, Flucht oder Lähmung. Beides sind potentiell tödliche Alternativen. Denn Flucht bedeutet unkontrollierten Aufstieg nach oben zur vermeintlich rettenden Oberfläche, bei der gleichzeitig häufig alles was stört und beengt, also vor allem Atemregler und Maske, weggerissen wird. Und da man unter Wasser nicht atmen kann, wird die Luft angehalten. Genauso möglich ist auch das Verschlucken und Einatmen von Wasser, was zu einem Stimmritzenkrampf führen kann. Ein Lungenriss ist bei solch einem Aufstieg praktisch schon vorprogrammiert. Die beim Tauchen im Verhältnis extrem selten vorkommende Möglichkeit der Erstarrung führt dazu, dass sich der Betroffene wie gelähmt fühlt, und seine Gliedmaßen nicht unter Kontrolle hat. Durch unwillkürliche Muskelzuckungen ist ein Verlieren des Atemreglers mit anschließendem Ertrinken sehr wahrscheinlich. Egal ob sehr unwahrscheinliche Erstarrung oder die Flucht nach oben - es ist das Ende der Entscheidungs- und Handlungsmöglichkeit des Tauchers - und das macht die Panik so gefährlich. Sie ist der Sieg des Unbewussten über das Bewusste, der tierischen Reaktionen über die menschliche Ratio. Gerade in der für uns eigentlich lebensfeindlichen Unterwasserwelt kommt dieser Sieg häufig einem Todesurteil gleich. Umso wichtiger ist es daher zu wissen, wie sie entsteht, was die Auslöser und verstärkenden Elemente sind, die zu einer Panikreaktion führen. Man muss wissen, was die Risikofaktoren eines Tauchgangs sind, denn diese lassen sich analysieren, reduzieren und sogar teilweise vermeiden. Dann kann man das Abenteuer Tauchen wieder problemlos gleichsetzen mit den Begriffen Entspannung, Wohlfühlen, Schweben in drei Dimensionen und dabei bunte Fische und interessante Korallen betrachten.
Panik - die Kapitel:Einleitung |
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