Die Angst im NackenDer Atem geht schnell, aber schwer. Daniela hat das Gefühl, als ob sich ihr die Wände langsam entgegen drücken. Sobald Michaela, Torsten und sie hinter die Wand getaucht sind, spürt sie, wie ihr Herz immer schneller pocht. Vom Licht, das durch Laderampe und Fenster in den Frachtraum flutet, ist hier nichts mehr zu sehen. Obwohl der Raum immer noch groß ist, erscheint er in seiner völligen Dunkelheit winzig, und ein Gefühl der Beklemmung macht sich breit. Irgendetwas dröhnt im Ohr. Die anderen beiden tauchen gerade durch die Tür in den Treppenraum, noch zwei Biegungen, dann sind sie alle wieder draußen. Was machen denn die anderen da, warum geht es nicht vorwärts? Das Dröhnen in Danielas Ohren... es dauert einen Moment, ehe sie realisiert, dass es die Luftblasen ihres hektischen Atmens sind, die sich den Weg nach oben bahnen. Jetzt ist Michaela durch die Tür und sie kann hinterher. Moment, was ist das an ihrer Seite? Keuchend schwenkt sie ihre Lampe nach rechts, aber es ist nichts, nur der aufragende Fußboden. Sie will die Lampe wieder nach vorne zur Tür bringen, streift dabei aber eine scharfe Metallkante. Trotz Handschuh spürt sie einen Schmerz, öffnet unwillkürlich die Hand und lässt die Lampe los. Diese schwingt am Band nach unten, schlägt gegen eine weitere Kante und verlischt. Daniela versinkt in vollkommene Dunkelheit. Der Schutzmechanismus Angst![]() Dunkelheit und schlechte Sicht können starke Angst verursachen. Wie der Stress, so ist auch Angst etwas, das die Entstehung von Panik begünstigt. Jeder von uns hat irgendwann einmal Angst, diese ist evolutionär ein wichtiger Bestandteil unserer Überlebensstrategie. Es ist ein Schutzmechanismus, der dafür sorgt, dass wir in bestimmten Situationen wachsamer sind und schneller auf plötzlich auftretende Situationen reagieren können. Die organischen Erscheinungen der Angst ähneln denen in einer Stresssituation und werden durch eine solche verstärkt. Neben Informationen, die wir aufnehmen und die für Entstehung von Angst sorgen können, entstehen auch viele Ängste auf der Ebene des Unterbewusstseins. Wir wissen, dass wir genügend Luft und den Tauchgang gut geplant haben, sowie dass keine Gefahren im See auf uns lauern. Unser Unterbewusstsein dagegen weiß, dass wir unter Wasser nicht atmen können, dass uns nichts davon abhält, immer weiter die Steilwand hinunter zu rutschen und dass wir ohne unsere Hilfsmittel sofort ertrinken würden. Wie stark diese Ängste an der mentalen Oberfläche liegen und inwieweit sie unser Handeln bestimmen, hängt wiederum von vielen individuellen Faktoren ab. Aber vorhanden sind sie bei allen von uns. Daher besteht bei allen Tauchern die Gefahr, dass durch angstauslösende Umstände diese unterdrückten Ängste durchbrechen und verstärkt werden. Die kognitiven Fähigkeiten reduzieren sich und in einem sich selbst und durch äußere Stressoren verstärkten Kreislauf ist die Panik der vorläufige Endpunkt.
Angstauslöser ReizüberflutungWas sind solche angstauslösenden Bedingungen? Eine davon ist die Reizüberflutung. Gerade bei Tauchern ist dies ein wichtiger Aspekt, der oft übersehen wird. Denn auch wenn wir anscheinend ganz entspannt durch das Wasser schweben, für unseren Körper und vor allem das Gehirn ist dies alles andere als normal. Gerade bei Anfängern müssen sich diese erst einmal auf die veränderten Umstände einstellen. Alles was (gelernt) an der Oberfläche automatisch abläuft ? Fortbewegung durch aufrechtes Gehen, Orientierung im Raum, Wahrnehmung durch Sehen ? geschieht unter Wasser völlig neu. Die Fortbewegung läuft auf einmal in einer anderen Körperlage ab, die Orientierung muss mit einer dritten Dimension zurechtkommen, und die Wahrnehmung muss sich auf den Unterschied zwischen gesehener und realer Entfernung einstellen. Hinzu kommt dann noch der erforderliche Umgang mit der Technik. Es ist daher leicht verständlich, dass gerade Tauchanfänger mit einer starken Reizüberflutung zu kämpfen haben. Angstauslöser widersprüchliche InformationenEin weiterer Angstauslöser sind widersprüchliche oder nicht zueinander passende Informationen. Hierzu gehören beispielsweise die Diskrepanz zwischen optischer Wahrnehmung und Gleichgewichtsempfinden, ausgelöst vielleicht durch einen unvollständigen Druckausgleich. Oder das Wissen, dass man Luft atmet, obwohl das Unterbewusstsein sagt, dass dies unter Wasser nicht möglich ist. Da das Gehirn die wahrscheinlichste Interpretation annimmt, basierend auf gespeicherten Informationen, diese sich aber überwiegend auf das Landleben beziehen, kann es hier leicht zu Angstzuständen kommen, da die Interpretation mit der tatsächlichen Lage nicht übereinstimmt. Angstauslöser InformationsdefizitAngst entsteht auch durch Informationsdefizite, wenn uns also die nötigen Informationen fehlen, um eine Situation richtig zu beurteilen. Dies kann beim Tauchen durch Dunkelheit oder schlechte Sicht verursacht sein oder durch Orientierungsverlust, wenn der Taucher nicht mehr weiß, wohin er tauchen muss, um seinen Tauchgang sicher zu beenden. Ein weiteres Informationsdefizit kann auch mangelnde Erfahrung sein. Wenn man noch nie erlebt hat, wie sich ein abblasender Automat auswirkt und wie man so etwas handhaben kann, kann allein die Vorstellung, dass dies geschehen könnte, zusammen mit dem Wissen, dass man keine Erfahrungswerte hat, um so eine Situation zu beurteilen, zu Angst führen. Panik - die Kapitel:Einleitung |
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