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Der Tiefenrausch

Gerade bei Nicht-Tauchern zählt der Tiefenrausch schon fast zu den mythischen Taucherkrankheiten, ist aber dennoch höchst real.

"Hast Du schon einmal einen Tiefenrausch gehabt? Wie fühlt sich das an?" - solche Fragen werden Tauchern von ihren Bekannten oft gestellt. Dabei reichen die Vorstellungen von dem Drang, immer weiter in die Tiefe zu tauchen, bis zu psychedelischen Erscheinungen, die den betroffenen Taucher in den Tod ziehen.

Gerade weil der Tiefenrausch aber eben nicht plötzlich sehr stark auftritt, sondern sehr langsam und schleichend, verkennen viele Taucher die Symptome und denken, sie hätten noch keinen Tiefenrausch gehabt. Diese Einschätzung "immun" dagegen zu sein tritt auf, weil die meisten Taucher die sich schon im (leichten) Tiefenrausch befinden nur "tauchen" müssen, also hauptsächlich atmen, aber nicht auf unvorhergesehene Situationen reagieren müssen. Dann würde sich nämlich schnell zeigen, dass sie nur noch eingeschränkt entscheidungs- und handlungsfähig sind.

Definition Tiefenrausch

Der Tiefenrausch
ist ein rauschartiger Zustand, der durch den erhöhten Partialdruck von Stickstoff beim Tauchen verursacht wird, daher spricht man auch von der Stickstoff-Narkose.

Entstehung des Tiefenrauschs

An der Wasseroberfläche hat Stickstoff einen Partialdruck von 0,78 bar. Bei steigender Tauchtiefe steigen auch der Umgebungsdruck und damit der Partialdruck des Stickstoffs. Man geht davon aus, dass Stickstoff bei einem Partialdruck von 3 bar, dass entspricht einer Tauchtiefe von ca. 30m, auf jeden Fall narkotisch wirkt.

Was jetzt genau den Tiefenrausch auslöst ist medizinisch noch nicht abschließend geklärt. Ursache ist wahrscheinlich, dass die Funktion der der Nervenzellen durch den mit steigendem Druck bei zunehmender Tiefe gelösten Stickstoff in ihrer Funktionsweise gestört wird.

Tiefenrausch in Farbe

Der Tiefenrausch wird nicht nur durch Stickstoff ausgelöst, sondern tritt, unterschiedlich stark, bei allen Inertgasen, wie Xenon, Argon oder Helium, auf. Daher nennt man den Tiefenrausch auch nicht nur Stickstoff-Narkose sondern allgemeiner auch Inert-Narkose. Wie stark dabei die "berauschende" Wirkung ist (bei Argon deutlich höher als bei Stickstoff, bei Helium sehr viel geringer) hängt anscheinend von der Löslichkeit der Gase in den Geweben ab, auch wenn dies im Einzelfall nicht 100% stimmt - es muss also noch andere, zusätzliche Faktoren geben.

Symptome des Tiefenrauschs

Die Symptome sind vielfältig, müssen nicht alle auftreten und erscheinen schleichend:

  • Geändertes Bewusstsein, euphorische Freudegefühle oder (plötzliche) Angstattacken
  • Eingeschränktes Urteilsvermögen:
    • Situationen werden falsch eingeschätzt
    • Das eigene Können wird überschätzt
    • Die persönliche Leistungsfähigkeit wird überschätzt
    • Die Konzentrationsfähigkeit sinkt stark
    • Die Fähigkeit richtig zu entscheiden wird stark vermindert
  • Visuelle Beeinträchtigung:
    • Tunnelblick, d.h. das Sichtfeld ist stark eingeschränkt
    • Störung des Sehens durch Lichtblitze
    • Wahrnehmung nicht vorhandener Farben
  • Metallischer Geschmack im Mund
  • Verändertes Atemverhalten, eher schnell aber flach
  • Gefühl von Müdigkeit
  • Bewusstlosigkeit

Tiefenrausch in der Druckkammer
Auf Fahrt in den Rausch bei 6 bar!

Wie sich eine Stickstoffnarkose anfühlt und was sie für Auswirkung auf die Urteilsfähigkeit eines Menschen hat, lässt sich gut bei einer Druckkammerfahrt selbst erfahren. Dabei wird in einer Druckkammer durch Erhöhung des Innendrucks auf 6 bar ein Tauchgang auf 50m simuliert. Auf der maximalen "Tauchtiefe" angekommen, werden verschiedene Übungen gemacht, sowohl mechanischer (wie eine Krawatte zu binden) als auch mentaler Art (z.B. verschiedene Rechenprobleme lösen).

Dabei ist nicht nur interessant festzustellen, dass man meist deutliche Schwierigkeiten, die Übungen vernünftig zu lösen, sondern auch, dass man auf dem Video meist noch viel berauschter wirkt, als man sich in der Kammer gefühlt hat. Eine deutliche Warnung, die an sich festgestellten Symptome nicht zu unterschätzen!

Tiefenrausch - die Kapitel:

Einleitung
Gefahren des Tiefenrauschs
Minimierung des Risikos


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Dieser Artikel erschien im DivInside, Juli 2007


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