Sonderbrevets: TrockentauchenDas Sonderbrevet Trockentauchen gehört zu den Specialities, über deren Sinn gerne und häufig gestritten wird, nicht zuletzt auch im Taucher.Net Diskussionsforum Ausbildung.
Die Kurse setzen genau an dieser Stelle an. Ganz gleich, ob der Kurs „Dry Suit Diving“, „Sonderbrevet Trockentauchen“ oder anders heißt, die Übungsinhalt sind sich alle relativ ähnlich. Das Ziel der Kurse ist es, den Taucher mit der Bedienung eines Trockis vertraut zu machen und so zu sicheren Tauchgängen zu verhelfen. Dazu zählt, dass die Lernenden erfahren, was die Unterschiede in der Handhabung zu Nassanzügen und die mögliche Risiken sind und wie man damit umgeht. Das Verhalten in Notsituationen und nicht zuletzt, wie man den Anzug richtig pflegt. Die im Folgenden dargestellten Ausbildungsinhalte sind prototypisch und können je nach Organisation von einander abweichen. Allerdings sollten die grundlegenden Elemente auf jeden Fall im Rahmen des Kurses abgehandelt werden. Wie schon beim OWD oder Einstern gliedert sich der Kurs in einen theoretischen und einen praktischen Teil. Theorie des TrockentauchensMeist steht am Anfang des Kurses ein kurzer Überblick über die Geschichte des Trockentauchens und die Entwicklung der unterschiedlichen Anzugsarten. Dabei werden die grundsätzlichen Unterschiede zwischen Trilaminat, Neopren und Gummi als Anzugsmaterialien dargestellt. Wichtige Bestandteile sind die verschiedenen Ansätze der Wärmeregulierung und das Verhalten unter Druck, also die Kompression der Neoprenanzüge, die bei den anderen Anzugtypen keine Rolle spielt. Ein weiterer Fokus des Kurses sind die Bestandteile, die sich von einem normalen Anzug unterscheiden, der gasdichte Reißverschluss und die Ein- und Auslassventile. Hierbei werden nicht nur die Möglichkeiten der Konstruktion, Platzierung auf dem Anzug und Funktion, sondern auch Wartung und Pflege behandelt. Der letzte Teil behandelt den praktischen Umgang mit dem Anzug. Was ist beim Anlegen, Ausziehen, Trocknen und der Lagerung zu beachten? Worin unterscheidet sich das Tauchen in einem Luftpolster vom normalen Nasstauchen? Welche Gefahren können drohen, z.B. wenn man zuviel Luft in den Füßen hat - und wie kann man diese abwenden? Diese Fragen und alle anderen zum Thema werden im Rahmen der Theorie beantwortet. Praxis des Trockentauchens
Am Anfang der praktischen Ausbildung stehen natürlich das Abtauchen und das Finden der richtigen Tauchlage. Dabei wird die Bedienung von Einlass- und Auslassventil geübt. Der Schüler muss lernen, sofort zu den Ventilen zu finden und diese unter Wasser handzuhaben. Nach der Eingewöhnungsphase wird das Tarieren geübt. Der Schüler lernt in verschiedenen Tiefen zu tauchen, mal etwas aufsteigen, etwas absinken, um dann auf der gewünschten Tiefe austariert zu bleiben. Eine besondere Schwierigkeit beim Trockentauchen stellt der Aufstieg dar, weil der Taucher gleichzeitig den Jacketinflator bedienen und dafür sorgen muss, dass die Luft aus dem Anzug entweicht. Als Übung wird hier meistens auch ein Aufstieg ohne Flossenschlag, nur über die Tarierung gesteuert, durchgeführt. Eine der Hauptgefahren beim Trockentauchen ist es, seine Balance zu verlieren, zu viel Luft in die Beine und Füße zu bekommen und dann in einen unkontrollierten Aufstieg, mit dem Risiko eines Barotraumas, zu geraten. Da die Auslassventile normalerweise an den Oberarmen sind, ist es extrem wichtig zu lernen, wie man sich aus dieser Lage befreit und wieder in eine Position bringt, in der die Ventile oben sind. Wenn es zu einer solchen Notsituation kommt, ist der Taucher meistens zu positiv tariert und muss einen Notstopp einleiten. Da die Luft über das Auslassventil unter Umständen nicht schnell genug entweicht, ist der Taucher gezwungen anderweitig überschüssiges Gas aus seinem Anzug entweichen zu lassen. Dies kann entweder über die Hals- oder die Handmanschetten geschen. Die richtige Art, dies zu bewerkstelligen ist auch ein Lernziel der Praxisübungen. Neben diesen grundsatzlichen Übungen gibt es noch weitere, wie einen Inflatorwechsel oder das Schleppen eines Trockentauchers an der Wasseroberfläche, die je nach Ausbildungsorganisation im Programm stehen. Ein Blick auf diese Inhalte macht deutlich, warum das Sonderbrevet Trockentauchen zu den wirklich sinnvollen Zusatzausbildungen gehört: Die Umgewöhnung und Beherrschung des neuen Anzugs benötigt einiges an Übung. Sinnvoll ist es beim Kauf eines Trockis ein Kombipaket incl. Kurs herauszuhandeln. Wer sich entschließt, darauf zu verzichten, sollte sich unbedingt von einem erfahrenen Trockentaucher einweisen lassen und mit ihm die genannten Übungen im Flachwasser trainieren, bis eine sichere Handhabung des Anzugs gewährleistet ist. BuchtippAlle Organisationen haben natürlich eigene Lehrmaterialen für den Kurs. Dennoch ist für alle, die das Trockentauchen in Erwägung ziehen das „Handbuch Trockentauchen – Kompaktes Sportwissen für Sporttaucher“ von Jochen Prey, Thomas Kromp und Frank Schneider eine fast unverzichtbare Begleitlektüre. In diesem Buch wird die Thematik anschaulich und reichlich mit Farbfotos bebildert von allen Seiten beleuchtet. Von einer genauen Beschreibung der unterschiedlichen Anzugstypen und ihrer Eigenschaften, über die oben beschriebenen theoretischen und praktischen Inhalte bis hin zu einer Abhandlung über Urinalventile, nach 215 Seiten bleiben keine Fragen mehr offen. Auch für erfahrenere Trockentaucher ist dieses Buch durchaus zu empfehlen.
Bilder mit freundlicher Genehmigung von Michael Böhm | |||||||
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Unstrittig ist auf jeden Fall, dass die Umstellung vom Nass- oder Halbtrockenanzug auf ein Trockensystem eine Einweisung und Übungen umfassen sollte. Nicht ohne Grund bieten viele Shops Kombipakete mit einem Kurs beim Kauf eines Anzugs an. Egal ob Neoprenoder Trilaminattrockenanzug, nicht nur das Tauchgefühl ist ein anderes, auch die praktischen Fähigkeiten, um sicher damit umzugehen, unterscheiden sich vom typischen Tauchen im Nassneoprener.
Bei den Übungstauchgängen geht es darum, das anfänglich ungewohnte Gefühl kennenzulernen, die zusätzliche Schwierigkeit beim Tarieren zu beherrschen und die wichtigsten Hilfsmaßnahmen für Notfälle zu erlernen. Idealerweise finden die ersten Tauchversuche in einem Hallenbad statt, da hier keine ablenkenden Faktoren stören und die Sicht gut ist.
