Sonderbrevets: Unterwassernavigation / OrientierungWer hat es nicht schon praktiziert? Hinter einem Guide oder Buddy herzutauchen und diesen blind zu vertrauen; sicher eine angenehme Methode die Unterwasserwelt zu erkunden. Was aber, wenn man selbst eine bestimmte Stelle betauchen will oder gar am Ende eines gemütlichen Tauchgangs am Einstieg wieder auftauchen möchte? Dann ist es wichtig zu wissen, wie man sein Ziel im Wasser nicht verliert. Um dies zu erreichen müssen wir uns unter Wasser zurecht finden, uns orientieren und vor allem sicher navigieren. Navigieren im Wasser hilft Stress durch Orientierungslosigkeit zu vermeiden, mit unserem Luftvorrat effektiv umzugehen und die Gefährdung durch unplanmäßiges Auftauchen zu vermeiden. ![]() Das Sonderbrevet Orientierung unter Wasser ist eine der grundsätzlichen Zusatzausbildungen, die jeder Taucher haben sollte. Bei einigen Organisationen ist der Kurs eine Voraussetzung für die nächst höhere Brevetstufe. Sogar für Anfänger, die noch keinen Tauchgang leiten, ist es wichtig, sich die entsprechenden Kenntnisse anzueignen. Ohne Verständnis für das Navigieren unter Wasser und die praktische Umsetzung der theoretischen Kenntnisse, bleibt der Taucher abhängig von seinen Buddys und kann sich nicht selbst zu einem eigenständigen Taucher entwickeln.
Wie bei allen Specialties blüht auch hier die Namensvielfalt. Ob "Orientierung", "Orientierung beim Tauchen", "Orientierung und Navigation" oder "U/W Navigator" die Inhalte des Kurses sind bei den verschiedenen Organisationen sehr ähnlich. Das Ziel bei diesen Kursen ist es, dem Tauchschüler die richtigen Hilfsmittel an die Hand zu geben, damit dieser bei einem Tauchgang seinen geplanten Tauchkurs einhalten, seinen Standort bestimmen und sicher zurück zum Ausgangspunkt zurückfinden kann. Die nachfolgenden Kursinhalte sind prototypisch und können je nach Organisation von einander abweichen. Allerdings sollten die grundlegenden Inhalte im Rahmen des Kurses abgehandelt werden. Wie schon beim OWD oder Einstern gliedert sich der Kurs in einen theoretischen und einen praktischen Teil, letzterer beinhaltet drei bis vier Übungstauchgänge Unterwasser-Orientierung und Navigation: TheorieFolgende Punkte sind Bestandteile dieser Kurse: StandortbestimmungDie Standortbestimmung am Anfang des Tauchgangs dient dazu festzustellen, von wo aus der Taucher startet und wohin er zurückkehren möchte. Das kann eine absolute (z.B. am Südostufer des Sees auf 130°) oder eine relative (im Boot direkt über der Riffkante) Position sein. Das Ziel sollte vom Standort aus absolut bestimmbar sein. EntfernungsbestimmungEs ist unter Wasser schwierig abzuschätzen, welche Entfernungen man zurückgelegt hat. Eine absolute Entfernungsmessung ist ohne Hilfsmittel nicht möglich, meist auch nicht nötig. Im Sonderbrevetkurs lernen die Taucher, die getauchte Entfernung mittels Flossenschlagzyklus, Zeitmessung oder Druckmessung ungefähr abzuschätzen und zu bewerten Kurs- und ReferenzbestimmungKursbestimmungen werden hauptsächlich mit einem Kompass durchgeführt. Referenzbestimmung bedeutet, dass der Taucher sich anhand von Anhaltspunkten orientiert, wo er gerade ist und wie es weiter geht. Der Schüler lernt im Kurs, natürliche Orientierungshilfen zu benutzen, wie den Küsten-/ Strand-/ oder Riffverlauf, den Einfall des Lichts und wie die Beschaffenheit des Bodens aussieht (z.B. der Bewuchs oder das Material, wie Korallen, Sand oder Steine). Es erfolgt eine gründliche Einweisung in die Funktionsweise und Bedienung eines Kompasses. Ein Schwerpunkt liegt hier auf den Besonderheiten von Unterwasserkompanden, verschiedenen Modellen und ihren Vor- und Nachteilen. ![]() Der Tauchschüler lernt im Rahmen des Kurses, wie er die natürlichen und technischen Orientierungshilfen bewerten und ihren Einsatz entsprechend einplanen und durchführen kann. Abläufe bei "Navigationsnotfällen" (Verlust der Orientierung) oder wie unter erschwerten Umständen (z.B. einem Nachttauchgang), das Ziel nicht im Dunkeln bleibt, ergänzen die Ausbildung. Orientierung und Navigation in der Praxis:Die Praxisübungen vertiefen die gelernte Theorie: Bei einem Tauchgang ist der Schwerpunkt besonders auf die Orientierung mit natürlichen Hilfsmitteln gelegt. Bei einem anderen werden die Fertigkeiten mit dem Kompass vertieft und bei den restlichen das Zusammenspiel von natürlicher und technischer Navigation geübt. Was bei den Tauchgängen tatsächlich gemacht wird ist von Organisation zu Organisation verschieden und teilweise sogar von Kurs zu Kurs. Zu unterschiedlich sind die Tauchgebiete. Kann man sich bei einem Tauchgang auf den Malediven am Hausriff eventuell komplett auf die natürliche Navigation verlassen und den Kompass in der Tasche lassen, wird bei einem Süßwassertauchgang in trüben Gewässern nur die Navigation nach Kompass möglich sein. ![]() Wichtig ist, dass der Tauchschüler lernt einen vorgegebenen Kurs über eine größere Distanz zu halten und am Ende des Tauchgangs beim geplanten Ausstieg anzukommen. Um dies zu erreichen, übt der Taucher den Rechtecks- und Dreieckkurs. Ziel ist es in beiden Fällen den Taucher zu befähigen einen komplexeren Kurs ohne Sichtkontakt zum Grund oder anderer Orientierung nur mit Kompass zu navigieren. Ein gelungener Kurs "Orientierung" ist ein Speciality, bei dem sich der Zeitaufwand und das Geld lohnen. Ist ein Taucher in der Lage, unter Wasser sicher und problemlos dorthin zu gelangen, wo er hin möchte und wieder zurück, gewinnt jeder Tauchgang an Qualität und Sicherheit. Aus diesem Grund ist er selbst für die Taucher interessant, die nur selten ins Wasser gehen und aus diesem Grunde keine höhere Brevetierung anstreben. |
|
|




