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Sonderbrevets: Eistauchen

Draußen rieselt der Schnee. Still und starr ruht der See. Der Seegrund reflektiert gebrochen das Licht, das sich durch die Eisschicht den Weg ins Wasser bahnt. Zum leisen Knirschen des Eises gesellen sich die Atemgeräusche zweier Taucher. Die Luftblasen sammeln sich wie Quecksilberpfützen unter der Eisdecke. Der direkte Weg nach oben ist versperrt, nur die Leine weist den sicheren Rückweg aus dem ruhenden Gewässer.

Vorbereitung für den Eistauchgang

Ohne Frage, Eistauchen übt eine oft unheimliche Faszination auf viele Taucher aus. Wer es einmal ausprobiert hat, ist meist höchst begeistert von dieser Welt, die so anders ist als das gleiche Gewässer im Sommer. Wie beim Höhlen- und Dekompressionstauchen ist der direkte Aufstieg nicht möglich, für viele Taucher ein erheblicher Stressfaktor. Das kalte Gewässer stellt hohe Anforderungen an die Ausrüstung, denn es muss nicht nur ein ausreichender Kälteschutz vorhanden sein, auch Atemregler und die anderen Equipmentteile müssen unter erschwerten Bedingungen sicher funktionieren. Beim Eistauchen kommen zusätzliche Risikofaktoren hinzu, die oft unterschätzt werden. Diese spiegeln sich leider auch alljährlich in den Unfallmeldungen.

Mit der richtigen Ausbildung, Planung und Durchführung lassen sich Eistauchgänge mit einem Maximum an Sicherheit und Minimum an Risiko durchführen. Diese Ausbildung bietet das Sonderbrevet Eistauchen. Hier lernt der Taucher, was es zu beachten gibt, welche Ausrüstungsgegenstände nötig sind und wie man sich am und im Wasser richtig Serie Sonderbrevets 32 DiveInside 02/2008 verhält, um spektakuläre und sichere Tauchgänge unterhalb der Eisschicht zu erleben. Zudem lernt man im Kurs auch, wie man Eistauchgänge umweltverträglich gestaltet, sowohl über, als auch im Wasser.

Aussägen des Einstiegs

Ähnlich wie das Sonderbrevet Nachttauchen, ist dieser Kurs nicht für frisch brevetierte Tauchanfänger geeignet. Ehe man sich damit beschäftigen kann, die zusätzlichen Anforderungen des Eistauchens zu meistern, sollte man die grundlegenden Tauchfertigkeiten im Schlaf beherrschen und schon einiges an Erfahrung mit Kaltwassertauchgängen gesammelt haben. Die Organisationen verlangen deshalb meist eine höhere Brevetierung, Sonderbrevets (wie z.B. Nachttauchen) und eine höhere Anzahl an Tauchgängen als Voraussetzung für die Teilnahme an diesem Kurs. Die im folgenden dargestellten Kursinhalte sind prototypisch und können je nach Organisation voneinander abweichen. Allerdings sollten die grundlegenden Inhalte auf jeden Fall im Rahmen des Kurses abgehandelt werden. Wie schon beim OWD oder Einstern gliedert sich der Kurs in einen theoretischen und einen praktischen Teil, letzterer beinhaltet meist vier Übungstauchgänge, davon mindestens zwei in einem eisfreien Gewässer.

Aufwärmen im Zelt

Eistauchen: Theorie

Folgende Punkte sind Bestandteile dieser Kurse:

Besonderheiten eines Eistauchgangs

Was unterscheidet einen Eistauchgang von einem normalen Tauchgang? Ist es nur die Temperatur oder die Tatsache, dass ein direkter Aufstieg normalerweise nicht möglich ist? Im Kurs werden die unterschiedlichen Bedingungen genau beleuchtet und das Bewusstsein der Schüler für mögliche Probleme und daraus resultierende Gefahren geschult. Ziel ist es, die Anforderungen realistisch einschätzen und bewerten zu können.

Ausrüstung

Eine kaltwassertaugliche Ausrüstung zu benutzen ist selbstverständlich. Trotzdem kann es unter dem Eis zu Problemen kommen, wie beispielsweise zu einem abblasenden Automaten durch Vereisung. Welche potentiellen Risiken durch die Ausrüstung bei dieser Art Tauchgängen gegeben sind, wie man diese Risiken minimiert und wie man sich und seinem Buddy bei einem Zwischenfall hilft, ist Teil dieses Moduls. Auch die Möglichkeiten und verschiedenen Funktionsweisen des Kälteschutzes, wie z.B. die Verwendung zusätzlicher Eismasken, werden hier erläutert.

Ruhe beim Leinengeben

Tauchen mit Leine

Die Leine ist die Nabelschnur die den Taucher mit der Oberflächenwelt verbindet und eine sichere Rückkehr ermöglicht. Sie muss beim Eistauchen unbedingt verwendet werden. Für den normalen Taucher ist diese Art sich unterwasser zu bewegen und mit der Oberfläche zu kommunizieren meist Neuland. Daher werden in diesem Teil des Kurses die Grundzüge der Leinenführung unter und über Wasser, als Taucher und als Sicherungsperson, erläutert.

Planung des Eistauchgangs

Mehr noch als bei normalen Tauchgängen ist eine detailliere Vorbereitung wichtig. Diese beginnt bei der Auswahl des Gewässers, denn nicht alle sind für das Eistauchen geeignet, teilweise ist es auch ausdrücklich verboten. Handelt es sich um einen Einstieg von Land aus, weil beispielsweise der Uferstreifen noch eisfrei ist, oder muss ein Loch geschlagen werden? Wie fest muss das Eis sein, damit ein sicherer Zugang gewährleistet ist? An welcher Stelle soll der Einstieg ins Eis gebrochen werden, wie geht man dabei vor und wie sichert man die Stelle während des Tauchgangs? Schließlich wird auch die Frage geklärt, wie man dieses Loch anschließend zurücklässt, damit keine Gefahr für andere Besucher des Eises ausgeht. Die übliche Planung, wie das Verhalten in Notfällen, ist natürlich Bestandteil dieses Moduls.

Der Tauchgang

der letzte Bereich der Kurstheorie beschäftigt sich mit der eigentlichen Durchführung des Tauchgangs. Die Schüler werden hier über das richtige Verhalten unter Eis, speziell auch in Hinblick auf umweltverträgliches Tauchen, informiert. Dazu gehört auch, dass sie einen Einblick in die Besonderheiten der Unterwasserbiologie zu dieser Jahreszeit erhalten.

Anstehen für den Eistauchgang

Eistauchen in der Praxis

Die praktische Ausbildung bei diesem Sonderbrevet gliedert sich in zwei Bereiche, die simulierten Eistauchgänge und die realen. Dabei werden erstere vom Ufer aus durchgeführt. Bei den simulierten Tauchgängen werden in einer sichereren Umgebung alle Fertigkeiten geübt, die nötig sind um die Risiken, die das Eistauchen von anderen Tauchgängen unterscheidet, zu minimieren. Hierzu gehört hauptsächlich der Umgang mit der Leine. Es wird die Leinenführung der Sicherungsperson geübt, sowie das Tauchen mit der Leine. Ein besonderer Schwerpunkt liegt hierbei auf der Signalgebung. Es muss sicher gestellt sein, dass die Kommunikation zwischen Leinenführer und Taucher funktioniert und es zu keinen Missverständnissen kommt.

Einen breiten Raum nimmt das Üben von Notfallsituationen ein. Es werden Vereiser simuliert, um das Ventilmanagement zu trainieren, sowie der Umstieg auf das eigene Zweitsystem, bzw. das des Buddys. Auch die Leine, die eigentlich ein Sicherheitsmittel ist, birgt ein gewisses Risiko. Daher lernen die Schüler, wie man sich befreit, wenn man sich darin verwickelt hat.

Am Ende des Kurses stehen die eigentlichen Eistauchgänge. Hier werden gelernte Theorie und trainierten Fähigkeiten in die Praxis umgesetzt. Für den Tauchschüler ist es endlich so weit, er kann abtauchen in das Land unter Eis.

Draußen rieselt der Schnee. Still und starr ruht der See. Auf dem Eis steht eine Gruppe Taucher um ein Einstiegsloch. Der Leinenführer gibt ruhig und gelassen mehr Seil aus. Alles funktioniert planmäßig, genau wie im Kurs gelernt. Wer einmal der Faszination erlegen ist, hofft auf lange Kälteperioden im Winter, die die Eistauchgänge erst ermöglichen.

Photos mit freundlichen Genehmigung von Heinz Toperczer


           
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